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Der Stoff, aus dem die Hoffnung ist

Der Weltreporter-Newsletter im Januar

15. Januar 2021
Keep Your Distance Plakate in Australien
 

Editorial
 

 
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die letzte Meldung für diesen Newsletter kam von Weltreporterin Bettina Rühl. Sie werde nun nach einem Jahr wieder eine Recherche im Ausland angehen, schreibt sie aus Kenia. Die Grenze sei wieder offen. Für mich ist das eine tolle Nachricht, obwohl solche Reisen noch immer mit Risiken verbunden sind und die Kollegin möglicherweise trotzdem irgendwo hängen bleibt. Viele von uns mussten sich daran gewöhnen, dass unsere Bewegungsfreiheit wegen der Pandemie sehr eingeschränkt ist. Schon die sonst so selbstverständliche Busfahrt in die Sierra Sur des mexikanischen Südens erscheint wie ein Traum aus der Vergangenheit. Dabei macht es die Qualität unserer Arbeit aus, dass wir Menschen in ihrem Alltag begleiten, in abgelegene Dörfer reisen oder im Großstadttrubel außergewöhnliche Geschichten suchen.

Seit ein paar Wochen scheint das wieder in greifbare Nähe zu rücken. In zahlreichen Ländern sind die ersten Impfstoffe eingetroffen und viele setzen große Hoffnungen darauf. Manche Regierungen kommen, wie Dänemark oder Israel, schnell voran. Andere haben es nicht so eilig. So etwa Australien, das derweil mit Kängurus und Pelikanen zur Wahrung des nötigen Abstands mahnt. Aber wer hat tatsächlich die Chance, in absehbarer Zeit geimpft zu werden? Gibt es eine gerechte globale Verteilung? Und wie alt – oder jung – muss man sein, um geimpft zu werden? Wir haben uns umgeschaut.

Natürlich gibt es über die Pandemie hinaus wieder wichtige Neuigkeiten aus unserem Netzwerk. Wir freuen uns sehr darüber, dass Weltreporter Karim El-Gawhary erneut in Österreich zum Auslandskorrespondenten des Jahres gekürt wurde. Anke Richter ist Verschwörungstheoretikern auf der Spur, Kerstin Schweighöfer beschäftigt sich mit den unbequemen Wahrheiten der Niederlande und Kerstin Zilm hat die Jazzlegende Charles Owens getroffen. Und natürlich geht es auch um die Pläne des künftigen US-Präsidenten Joe Biden. Viel Spass bei der Lektüre wünscht 

Profilbild Wolf-Dieter Vogel

 


Wolf-Dieter Vogel

Weltreporter in Mexiko

vogel@weltreporter.net

 



WELTREPORTER AT WORK

Aus dem widerständigen Kalifornien in die Machtzentrale



Unter Präsident Donald Trump wurde Kalifornien zum führenden US-Bundesstaat im Kampf gegen die Umwelt-, Einwanderungs- und Gesundheitspolitik der Regierung in Washington. Mehr als hundert Klagen reichte Justizminister Xavier Becerra gegen Entscheidungen des Weißen Hauses ein. Der zukünftige Präsident Joe Biden hat nun Becerra für das Amt des Gesundheitsministers nominiert. Auch abgesehen davon werden Politiker*innen aus dem Westküstenstaat führende Rollen in Washington haben – Kamala Harris als Vizepräsidentin und Nancy Pelosi weiterhin als Sprecherin des US-Abgeordnetenhauses. Weltreporterin Kerstin Zilm berichtet im SWR über Kaliforniens Widerstand gegen Trump.  

Profilfoto


Kerstin Zilm

Weltreporterin in Los Angeles

zilm@weltreporter.net

   


 Neuseelands Weltreporterin als Anti-Conspiracy-Aktivistin

Seit Jahren ist Anke Richter in Christchurch als Sekten-Reporterin in der Esoterik-Szene unterwegs. Im praktisch Covid-freien Neuseeland finden in diesen Wochen große Sommer-Musikfestivals statt. Ende 2020 verfasste Richter mit ein paar Freunden einen offenen Brief an das Luminate-Festival, da es offen Verschwörungstheorien und Covid-Falschinformationen verbreitete. Der anstößige Content verschwand von der Luminate-Webseite. Danach gründete die Korrespondentin die Facebook-Gruppe "Rabbit Hole Resistance", der viele Journalist*innen und internationale Sektenexpert*innen beigetreten sind. Die erste Aktion von RHR: Protest gegen eine QAnon-Veranstaltung in Auckland.
 


Anke Richter

Weltreporterin in Christchurch

richter@weltreporter.net

 

 
Die unbequemen Wahrheiten der Niederlande

Schriftsteller Geert Mak

Mit den dunklen Kapiteln der niederländischen Geschichte hat sich Kerstin Schweighöfer für die Deutschlandfunk-Sendereihe „Gesichter Europas” am 23. Januar befasst: angefangen bei den Gräueltaten der Sklavenzeit bis hin zum Auftreten niederländischer Soldaten im indonesischen Unabhängigkeitskrieg und der mangelnden Unterstützung jüdischer Mitbürger während der deutschen Besatzungszeit. Inzwischen beginnen die Niederländer, sich diesen „unbequemen Wahrheiten” zu stellen. So auch der Titel der Sendung, für die Schweighöfer u.a. mit dem Schriftsteller Geert Mak gesprochen hat, mit Nachfahren von Sklaven und Plantagenbesitzern und mit Emile Schrijver, Generaldirektor des jüdisch-kulturellen Viertels von Amsterdam (siehe Foto), der sich auf das neue nationale Holocaust-Museum freut, das derzeit gebaut wird.
 

Profilbild Kerstin Schweighöfer

 
 

Kerstin Schweighöfer

Weltreporterin in Den Haag

schweighoefer@weltreporter.net

 


Ab nach Mogadischu



Nach der langen Corona-Zwangspause wird Weltreporterin Bettina Rühl zum ersten Mal seit ziemlich genau einem Jahr für eine Recherche von Kenia nach Mogadischu fliegen, in die Hauptstadt Somalias. Dort wird voraussichtlich im Februar ein neues Parlament gewählt. Außerdem geht es um die anhaltend schlechte Sicherheitslage: die zum Al-Qaida-Netzwerk gehörende Terrormiliz Al-Shabaab und der Islamische Staat in Somalia kämpfen gegen die ohnehin schwache Regierung. Die weitgehend von der EU finanzierte Militärmission der Afrikanischen Union namens AMISOM bereitet sich trotzdem darauf vor, die Verantwortung für die Sicherheit des Landes in somalische Hände zu übergeben.
 


Bettina Rühl

Weltreporterin in Nairobi

ruehl@weltreporter.net



Mit Maske und Abstand: Weltreporterin trifft US-Jazzlegende Owens


Charles Owens, Kerstin Zilm und Fotograf

Das erste Mal hat Kalifornien-Weltreporterin Kerstin Zilm Charles Owens vor einem Jahr in einem vollen Jazzclub von Los Angeles zum Interview getroffen. Zur Fortschreibung der Geschichte über den 82 Jahre alten Saxophonisten, der mit den ganz Großen der Jazz-Welt gespielt hat, trafen sie sich Anfang Dezember wieder. Diesmal in einem fast leeren Raum, mit Maske und Abstand. „Ich kann es kaum erwarten, mit meiner Band wieder live vor einem Publikum zu spielen”, sagte Charles Owens. „Es fehlt mir, Zuschauer zu unterhalten und lächeln zu sehen.” Es wird noch eine Weile dauern, bis das wieder geht. In Kalifornien bleiben angesichts rapide steigender Covid-Infektionszahlen Theater, Kinos und Konzerthallen bis auf Weiteres geschlossen.

Profilfoto


Kerstin Zilm

Weltreporterin in Los Angeles

zilm@weltreporter.net

   

 
Weltreporter El-Gawhary: Österreichs Auslandsjournalist des Jahres



Herzlichen Glückwunsch an Nahost-Weltreporter Karim El-Gawhary: Bereits zum fünften Mal wurde er von den österreichischen Chefredakteuren zum Auslandskorrespondenten des Jahres gewählt. „Er gab dem Arabischen Frühling eine Stimme“, heißt es in der Begründung der Jury. Karim El-Gawhary leitet seit 2004 das Kairoer Büro des ORF und kümmert sich von dort aus um den gesamten arabischen Raum. 

 

 


Karim El Gawhary

Weltreporter in Kairo

gawhary@weltreporter.net

 

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FOKUS-THEMA
Der Stoff, aus dem die Hoffnung ist



Globale Impfgerechtigkeit: Kampf gegen Windmühlen? 


Foto: UN Photo/ Manuel Elias

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ruft zu weltweiter Impfgerechtigkeit auf: Sie will verhindern, dass reiche Länder die Covid 19-Impfstoffe bunkern. Schon vor neun Monaten wurde deshalb die globale Impfplattform Covax gegründet, in die Deutschland 300 Millionen Euro eingezahlt hat. Genutzt hat es nichts: Von den 42 Staaten, die seit Jahresanfang ihre Bevölkerung impfen, sind 36 Länder mit hohem, die restlichen sechs Länder mit mittlerem Einkommen. In vielen armen und ärmsten Ländern werden Impfungen der Bevölkerung nicht vor 2022 starten, so die Prognosen. Ob WHO-Chef Tedros Adhanom das Blatt noch wenden kann? Weltreporter Marc Engelhardt beobachtet die Entwicklungen bei der WHO in Genf.


Marc Engelhardt

Weltreporter in Genf

engelhardt@weltreporter.net

 


Deutschland first?

Symbolbild Impfstoff
Foto: EU

Zu spät, zu wenig, zu deutsch: In der EU ist ein Streit um die Corona-Impfstrategie entbrannt. Nachdem zunächst Deutschland die EU kritisiert hatte, klagen nun Länder wie Frankreich, Belgien oder Luxemburg über eine angebliche Bevorzugung Deutschlands bei den Bestellungen bei Biontech/Pfizer, Moderna & Co. Weltreporter Eric Bonse verfolgt den Streit in Brüssel und liefert Hintergründe.
 


Eric Bonse

Weltreporter in Brüssel

bonse@weltreporter.net

 


Indonesien: Die Jungen zuerst

Impfungen Indonesien

Anders als die meisten Staaten will Indonesien nicht die ältere Generation zuerst impfen, sondern die junge, arbeitende Bevölkerung – also diejenigen, die die Wirtschaft vorantreiben, aber das Virus am meisten verbreiten. Zudem ist der aus China stammende Covid-19-Impfstoff von Sinovac, der Mitte Januar eine Notzulassung erhalten hat, zuletzt nur an 18- bis 59-Jährigen getestet worden. Neben Gesundheitspersonal, Polizei und Militär sollen auch Lehrer*innen gleich zu Anfang immunisiert werden, damit die Schulen nach einem Jahr wieder aufmachen dürfen. Doch der Impfstoff-Import aus China ist umstritten: Während Ärzt*innen den unvollständigen Testreihen nicht trauen, fürchtet die mehrheitlich muslimische Bevölkerung, dass er gegen islamische Vorschriften verstößt.

Profilbild



Christina Schott

Weltreporterin in Jogjakarta

schott@weltreporter.net


Australien: Abwarten und prüfen



Down under ticken die Impfuhren langsamer: Vor Ende März werde nicht geimpft, sagte Premierminister Scott Morrison im Dezember. Die Regierung hat für die 25 Millionen Einwohner*innen 10 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Vakzins bestellt, außerdem Verträge über 53 Millionen Dosen von Astra Zeneca und 11 Millionen von Novavax abgeschlossen. Doch wegen der niedrigen Infektionszahlen lassen sich die Behörden mit den Genehmigungen Zeit. Wer in den offiziellen Statements zwischen den Zeilen liest, entdeckt aber auch die Hoffnung, aus möglichen Fehlern der Erstimpfer lernen zu können. Derzeit wächst die Sorge, dass die in Großbritannien entdeckte Mutation im Land kursiert. Nun will man den Impfbeginn eventuell in den Februar vorziehen.

Profilbild

 


Julica Jungehülsing

Weltreporterin in Australien

jungehuelsing@weltreporter.net


 
Mexiko: Spritzen vom Chef

Impfung Mexiko
Foto: imss.gob.mx

Während die staatliche Versorgung mit Impfstoff in Mexiko sehr langsam voranschreitet, gehen Unternehmen im Norden des Landes eigene Wege. In den Fabrikanlagen der Grenzstadt Tijuana, wo Autoteile, Computer oder T-Shirts für den Weltmarkt hergestellt werden, wird die Belegschaft bald auf Kosten der Konzerne geimpft. Es sei viel teurer, alle Beschäftigten mit Masken zu versorgen, als sie zu impfen, erklärte der dortige Industrieverband und wird nun bei Pfizer 1,5 Millionen Impfdosen bestellen. Der Rest der Bevölkerung muss warten. Was unzählige Sonnensüchtige aus aller Welt nicht daran hindert, an die Strände Mexikos zu reisen. Viele Indigene haben indes ihre Dörfer dichtgemacht: Mit einer Krankenversorgung können sie nicht rechnen.

Profilbild Wolf-Dieter Vogel

 



Wolf-Dieter Vogel

Weltreporter in Oaxaca

vogel@weltreporter.net

 

 
USA: Hoffen auf den Nachschub



Am 13. Dezember landeten die ersten Container mit Impfstoff auf dem internationalen Flughafen von Los Angeles. Im Bezirk der US-Westküstenmetropole stirbt derzeit alle acht Minuten jemand an Covid 19. Ambulanzen wurden angehalten, Kranke mit nur geringen Überlebenschancen nicht mehr zu den Krankenhäusern zu fahren. Oft müssen Patientinnen und Patienten mehrere Stunden in Krankenwagen warten, bevor sie aufgenommen werden können. Die Impfungen kommen nur schleppend voran: Kalifornien hat bisher 2,5 Millionen Impfdosen bekommen, bei einer Bevölkerung von fast 40 Millionen. Davon wurden nicht einmal 35 Prozent verabreicht. 
Profilfoto


Kerstin Zilm

Weltreporterin in Los Angeles

zilm@weltreporter.net

   

Südafrika: Impfstart für Gesundheitsmitarbeiter 

Südafrika erhält noch im Januar die ersten Impfdosen – weit vor den meisten anderen afrikanischen Ländern. Bis Ende Februar sollen zunächst Mitarbeiter im Gesundheitssystem geimpft werden. Ziel ist es, bis zum Jahresende rund zwei Drittel der Bevölkerung zu impfen. Die dafür notwendigen Impfstoffe hat sich die Regierung jedoch noch nicht gesichert. Verhandlungen mit diversen Herstellern laufen noch. Kritiker werfen der Regierung vor, zu lang gezögert und mögliche Vorteile durch die Beteiligung an Impfstudien verspielt zu haben. Denn die Zeit drängt, angesichts steigender Infektions- und Todeszahlen und einer grassierenden Virus-Mutation. Wissenschaftler erforschen sie mit Hochdruck, auch um herauszufinden, wie sie sich auf die Effektivität der derzeit verfügbaren Impfstoffe auswirkt. 

Profilfoto

 


Leonie March

Weltreporterin in Durban

march@weltreporter.net
 


Israel: Viel Impfstoff – aber nicht für alle

Impfzentrum in Israel

Die einen preisen Israel als Impf-Weltmeister, die anderen machen die Chuzpe von Premier Benjamin Netanjahu dafür verantwortlich, dass er sich frühzeitig so viel Impfstoff unter den Nagel gerissen habe. Vermutlich sehen die Pharma-Firmen das kleine Land mit dem effizienten Gesundheitssystem aber auch als Labormodell. Tatsächlich zahlte Israel für den Pfizer-Impfstoff 23 Euro, fast doppelt soviel wie die EU. Dass bereits über eine Million Impfungen verteilt wurden, liegt wohl auch an der unbürokratischen Logistik: Gegen Abend wird es voll an den Impfstationen, denn dann hoffen jüngere Israelis ohne Termin auf übriggebliebene Tagesrationen. Menschenrechtler kritisierten, dass Israel den Impfstoff zwar ins Westjordanland liefert, aber nur an jüdische Siedler. Die Palästinenser gingen erst einmal leer aus, rechnen aber damit, die russische Sputnik-Impfung zu bekommen. Zudem sind sie im Covax-Programm der WHO, das eine Verteilung im Februar vorsieht. 
 

Profil Fazekas


Agnes Fazekas

Weltreporterin in Tel Aviv

fazekas@weltreporter.net

 

 
Dänemark: Alle über 85

Impfung in Dänemark
Foto: Nils Meilvang/Scanpix/Ritzau

In Dänemark haben fast alle impfwilligen Bewohner*innen von Pflegeheimen bereits die erste Dosis erhalten. Jetzt soll es mit der nächsten Gruppe weitergehen: Geimpft werden nun zunächst ältere Menschen, die zuhause gepflegt werden. Danach sind alle über 85 Jahren dran. Bis zum Sommer wollen die Behörden mit den Impfungen durch sein. Diskutiert wird, ob Erzieher*innen in Kitas die Impfung relativ schnell erhalten sollten, um berufstätige Eltern im Home Office zu entlasten. Krippen und Kindergärten sind im Gegensatz zu Schulen noch geöffnet. Mindestens bis zum 17. Januar bleiben auch Geschäfte, Restaurants, Friseursalons und Fitnesscenter geschlossen. Im Deutschlandfunk hat Weltreporterin Julia Wäschenbach erklärt, warum Dänemark mit den Impfungen so gut vorankommt
 

Profilbild Julia Wäschenbach

 

Julia Wäschenbach

Weltreporterin in Kopenhagen

waeschenbach@weltreporter.net

 

 

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