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Digitale August-Notizen!
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Digitale Notizen 08/15

Was muss man eigentlich wissen?

Liebe Leserinnen und Leser!

Was verlangt die Digitalisierung von Ihnen?
Sascha Lobo hat darauf im Interview mit dem Spiegel unlängst eine interessante Antwort gegeben. "Es geht nicht um einzelne Technologien oder Anwendungen", sagte er, "sondern darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie das Netz funktioniert. Ohne dieses Gespür hat man es zunehmend schwer."

Dieser Ratschlag richtet sich natürlich nicht nur an Medienmenschen und Journalistinnen - es ist ein Hinweis für die ganze Gesellschaft. In der August-Ausgabe der Digitalen Notizen widme ich mich aber der Frage: Was verlangt die Digitalisierung von Ihnen als Medienmensch? Die Antworten, die Sie weiter unten lesen, sind spezieller als Sascha Lobos Rat, sie haben aber auch mit dem zu tun, was Sascha "kritische Neugier" nennt.

In diesem Sinne wünsche ich viel Freude bei der Lektüre - und dass Sie kritisch und neugierig bleiben!

Dirk von Gehlen
P.S.: Das Foto stammt wieder aus meinem Instgram-Feed.
P.P.S: Der Soundtrack zum Bild und zum Newsletter stammt diesmal von Tocotronic.

Bist du Teil des Internet?

 

Was Journalistinnen und Journalisten 2015 können sollten ...

Zehn digitale Vorschläge

Im Herbst 2014 stellte ich auf Twitter die Frage: Was müssen Journalistinnen und Journalisten der Gegenwart können? Unter dem Hashtag #journo2014 kann man Antworten nachlesen, die ich in einem Uni-Seminar zeigen wollte.
Einen Sommer später musste ich an den Hashtag denken als ich Paige Levins Liste der zehn Dinge las, die Journalistinnen und Journalisten heute können sollten.  Wenn man versucht dies zu übersetzen und zu übertragen könnte man diese Punkte auflisten:

1. Lerne mit dem Computer zu sprechen: Du solltest verstehen wie ein Content-Management-System (wie zum Beispiel Wordpress) funktioniert und Grundbegriffe in eckigen Klammern erkennen können. Eric Newton sagt: “Basic coding is the grammar of the 21st century.” Ein guter Startpunkt um die Grundlagen zu lernen, ist die Codeacademy - oder du schaust dir an, was David Bauer macht.

2. Mathematik gehört zum Journalismus: Um mit Daten umgehen zu können, sollte man rechnen können. Journalismus findet zunehmend in Excell- nicht mehr nur Word-Dokumenten statt. Nicht nur, um statistische Unwahrheiten zu erkennen.

3. Befasse dich mit den Grundlagen des Mediengeschäfts: Woher kommt das Geld für hochwertigen Journalismus? Diese Frage sucht seit Jahren nach einer Antwort, sie wird immer wichtiger. Ein gegenwärtiger Journalist sollte die Grundbedingungen der Geschäftsmodelle von Medienunternehmen kennen.

4. Lerne deine Leserschaft kennen: Wer Inhalte veröffentlicht, kann heute besser denn je nachverfolgen, was mit ihnen geschieht. Mit Hilfe von Tracking-Software, aber auch im direkten Gespräch. Dies kann die Interaktion befördern.

5. Mache klar, wofür du stehst: Um die Debatte um Journalisten als Marken zu vermeiden, kann man auf den Kern der Auseinandersetzung gehen. Es schadet nicht, wenn man man weiß, wofür du stehst.

6. Probiere Social-Media-Dienste aus: Ich habe es hier schon mal gesagt, "dass man Schwimmen nur lernt wenn man nass wird und nicht wenn man am Beckenrand vermeintlich schlaue Dinge über das Wesen des Wassers verbreitet." Das gilt auch für die Nutzung von Social-Media-Diensten - von Twitter bis Instagram.

7. Fasse dich kurz: Pointiert und auf den Punkt zu schreiben, ist womöglich schwieriger als viel Platz zu haben. 140 Zeichen sind eine gute Zielvorgabe.

8. Lerne Inhalte auf unterschiedlichen Kanälen aufzubereiten: Das Smartphone als digitales Werkzeug erlaubt, es zahlreiche Medienformen zu bedienen. Mache dich mit den neuen Möglichkeiten vertraut, probiere sie aus.

9. Achte auf deine Sprache: Die richtigen Begriffe zum richtigen Zeitpunkt in angemessener Form und Grammatik zu verwenden, ist in Zeiten des direkten Live-Publizierens noch wichtiger geworden.

10. Höre nicht auf: Die wichtigste Fähigkeit in einer sich ständig ändernden Welt ist es, am Ball zu bleiben. Erhalte dir die Freude daran, ständig neue Dinge auszuprobieren.

Man könnte sicher zahlreiche weitere Fähigkeiten ergänzen. Ein Schlagwort entdeckte ich als ich das Gespräch anhörte, das Daniel Bouhs hat mit der deutschen Buzzfeed-Chefin Juliane Leopold geführt hat. Die beiden sprachen darüber gesprochen, welche Fähigkeiten sie sich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhofft. Juliane antwortet darauf:
Ich glaube, um bei uns zu arbeiten, braucht es doch noch etwas anderes. Wir sagen im Englischen: "to get the internet". Also das Internet verstehen, ist wichtig für uns. An den richtigen Orten coole Sachen finden zu können, ansprechbar zu sein für Leserinnen und Leser, immer wieder neue Blickwinkel zu finden, neue Geschichten zu finden. Aber auch selber Quatsch im Internet machen zu wollen. (...) Ein guter Indikator dafür ist wie selber jemand mit dem Internet umgeht: Wenn der twittert, vertwittert der dann nur seine eigenen Geschichten oder teilt er Links? Ist es jemand, der sich wirklich interessiert für das, was im Netz passiert oder ist jemand, der sich ausschließlich selbst darstellt? Sind diese Menschen wirklich Teil des Internet - das ist eine wichtige Frage!
DER AUGUST (Standards)
Was wir wissen:
... die DJ-Maschine von Spotify macht ganz gute Musik - immerhin kennt sie mich ziemlich gut.
... die New York Times und Facebook machen jetzt etwas, was ich Livejournalismus nenne.
... Jan Böhmermann ist "Besoffen auf Facebook".

Was wir (noch) nicht wissen:
... ob Sie das neue Profilbild von "Süddeutsche Zeitung Langstrecke" kennen? Die neue Ausgabe gibt es ab 12. September - am Kiosk.
... wie sich die Pläne von Brewster Kahle umsetzen lassen. Sie klingen ziemlich spannend.
... wie der Podcast wird, den das LitRadio aus Hildesheim (auch) auf Basis dieses Newsletters aufnimmt.
 
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