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Walter Kohl | Newsletter 09-2016
 
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Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde,


welcome back.
Heute möchte ich mit Ihnen ein ganz besonderes Erlebnis teilen. Aber lesen Sie selbst...


„Herr Autor, Ihr Stück ist Schrott…“ – oder von der Kunst des Durchhaltens

Eigentlich bin ich kein Opernfan, was auch wenig verwunderlich ist, wenn man wie ich gerne Rockmusik à la Deep Purple, Cindarella oder auch den Stones hört. Aber: unverhofft kommt oft. Über verschlungene Pfade wurde ich letztes Jahr zur Opernakademie Bad Orb eingeladen – und ging auch hin. Ich war völlig überrascht, denn an der Opernakademie ist alles anders als gedacht.

Beeindruckend war, dass es sich um eine seit 1987 jährlich einmal stattfindende Veranstaltung handelt, bei der eine Oper von Nachwuchssängern aufgeführt wird.  Die Opernakademie ist zu einem Mekka der Nachwuchsförderung für Opernhäuser geworden und sie ist gemeinnützig organisiert. Freiwillige Helfer bauen die Bühne, organisieren einen weltweites Auswahlverfahren mit mehreren hundert Bewerbern für die Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben. Insgesamt arbeiten dutzende Menschen, von denen viele ihren Urlaub dieser Sache spenden, mit. Ich hätte nie gedacht, dass eine Oper, in 2015 waren es Hoffmanns Erzählungen, so viel Spaß machen würde. Die Begeisterung der Macher sprang auf das Publikum über - und auch auf mich.   

Und dann die zweite Überraschung. Ich wurde gefragt, ob ich Schirmherr für die Aufführung 2016 mit „La Bohème“ von Puccini, also die Opernakademie 2016 werden wollte. Why not? dachte ich mir und sagte zu, nicht ahnend, dass eine weitere, tolle Erfahrung auf mich warten würde. Also, los ging es am 17. August mit der Premiere.

Doch zunächst etwas Hintergrund zu „La Bohème“. Die Kritiken nach der Uraufführung von Puccinis Oper „La Bohème“ am 1. Februar 1896 im Teatro Regio in Turin und auch in den nächsten Aufführungen waren schlecht bis vernichtend.  Das Publikum reagierte verhalten, die lediglich fünf Vorhänge stellten für Puccini eine Enttäuschung dar. Die Kritik äußerte sich überwiegend ablehnend; so schrieb Carlo Bersezio in der Gazetta Piemontese: „Niemand kann behaupten, dass La Bohème eine künstlerisch gelungene Oper sei … Die Musik ist oberflächlich … so wie diese Bohème keinen tiefen Eindruck beim Hörer hinterlässt, so wird sie auch keine bedeutende Spur in der Operngeschichte hinterlassen …“

Erst mit der Aufführung am 14. April 1896 in Palermo unter Leopoldo Mugnone erfolgte der Durchbruch: „Dreitausend Hörer wollten am Ende, eine Stunde nach Mitternacht, das Haus nicht eher verlassen, bis Mugnone mit dem noch anwesenden Teil des Orchesters und den überwiegend schon umgekleideten Sängern das ganze Finale wiederholte.  Nun verbreitete sich die Oper schnell über die italienischen und die internationalen Bühnen: Noch 1896 folgen Erstaufführungen in Brescia und Bologna (jeweils unter Toscanini) sowie am 16. Juni im Teatro Colón und heute ist „La Bohème“ eine der meistgespieltesten und populärsten Opern weltweit. (Wikipedia)

Die Premiere in Bad Orb 2016 war eine Wucht. In meiner kleinen Rede am späten Abend fasste ich meine Eindrücke mit einem Wort zusammen: WOW! – oder besser viele Wows.
Ein Wow für eine tolle Inszenierung mit tollen Sängern, ein weiteres für das von Erich Biegel liebevoll und  komplett überarbeitete Libretto, ein Wow für Michael Millard, der als Dirigent in kaum drei Proben eine Gruppe Musiker aus vielen Ländern, die sich nicht kannten, zu einem Orchester, zu einer Einheit formte und schließlich ein großes Wow für Frau Prof Metzler-Müller, den Motor, die Seele hinter der Opernakademie.
In Bad Orb haben sich Menschen gefunden, die Großes - im wahrsten Sinne des Wortes - auf die Bühne bringen, aus Freude, aus Berufung. Kunst für die Kunst und Begeisterung als Lohn.

Die Opernakademie war vielleicht der überraschendste Höhepunkt meines Sommers. Sie hat mir gezeigt, dass wir gut daran tun, eingetretene Pfade zu verlassen und uns unvoreingenommen Neuen zu stellen. So erfahren wir Bereicherung und Glück – eine ganz besondere Form des Reichtums.
Am Ende bleiben mir drei Gedanken aus Bad Orb, die ich mit Ihnen teilen möchte:
  • Auch wenn die Kritiken anfänglich schlecht sind und die sogenannten Experten Dich oder Dein Tun zerreißen, mach weiter. Geh wie Puccini Deinen Weg, verbessere und lerne, aber gib nicht auf. Es geht um Ausdauer, eben jene Mischung aus Disziplin, Hingabe, Durchhalten und Eigenmotivation, die uns Kraft gibt, auch längere Wege zu gehen und schließlich anzukommen. Puccini hat es uns gezeigt. Ich bin sicher, dass die ersten Kritiken schmerzlich für ihn waren, und ich bin überzeugt, dass es seine Ausdauer war, die ihm und seinem Werk zum Durchbruch verholfen hat.
 
  • Leidenschaft hilft Berge versetzen, durch sie wird schier Unmögliches möglich. Bad Orb, auch wenn es landschaftlich wunderschön am Hang des Spessarts gelegen ist, ist nicht Berlin, München oder Paris, aber ich denke (und da kommt der Rockmusikfan in mir durch) die Opernakademie kann mithalten. Es macht einfach Spaß, dort zu sein.
 
  • Und schließlich: Suche Orte, wo Deine Hoffnungen eine Bühne bekommen. Die Opernakademie ist eine Nachwuchsbühne, eine Chance für junge Sänger, sich kurz nach Ende ihrer Ausbildung zu präsentieren. Ein wichtiges und anerkanntes Sprungbrett für viele. Das lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: suche dir eine Bühne, finde Sprungbretter für das, was Dich ausmacht. Und besonders für das, für das Du stehst. Habe Mut, „sapere aude“ wie es Immanuel Kant formulieren würde.
 
Nun ist der Sommer vorbei und der Alltag hat mich (und wahrscheinlich auch Sie) wieder. Doch es bleibt ein gutes Gefühl, ein Nachgeschmack, wie bei einem guten Glas Rotwein. Ich danke der Opernakademie für die Inspiration, die sie mir geschenkt hat und nehme gerne diese Energie in mein Leben und meine Arbeit mit.

Ihr Walter Kohl
 
PS: …beinahe hätte ich es vergessen. Sie finden die Opernakademie unter www.opernakademie.com
und einen Radiobetrag von HR2 Opernakademie Bad Orb, La Bohème (Frühkritik) über die diesjährige Premiere unter:
http://www.hr-online.de
 

Hier noch die weiteren Termine bis Ende Dezember 2016:

(weitere Details auf meiner Website walterkohl.de/termine):
23.09.2016 - 25.09.2016
3. Viktor Frankl Kongress in Wien
Die Zukunft der Logotherapie III
Internationaler Kongress der Logotherapie und Existenzanalyse
Campus der Universität Wien
http://logotherapiewien.jimdo.com/
Veranstalter: Logotherapie Wien

17.10.2016 - 18.10.2016
9. Viktor Frankl Symposium - Sinn und Wachsen
Vortrag: Viktor Frankl als Kraftquelle - ein Erfahrungsbericht
http://www.viktorfranklsymposium.at
Veranstalter: Pädagogische Hochschule Kärnten

22.10.2016 - 23.10.2016
71. Männertag der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Versöhnung - Ein Weg zu innerem Frieden und Lebensfreude
Kloster Untermarchtal
http://www.maennerarbeit.info
Veranstalter: Bischöfliches Ordinariat

27.10.2016
Die Frage nach dem Sinn des Lebens
Podiumsgesüräch Erzabtei St. Ottilien
http://www.muenchner-bildungswerk.de
Veranstalter: Münchener Bildungswerk

01.11.2016
Vortrag: Trotzdem Ja zum Leben sagen
Stadtbücherei, Hasengasse 4, 60311 Frankfurt am Main
http://www.frans-hilft.de
Veranstalter: FRANS

Besonderer Hinweis für November:
14.11.2016 - 16.11.2016
Team Benedict
Seminar: Arbeiten, oder gearbeitet werden?
Geistliches Zentrum Schwanberg
www.teambenedikt.de
Veranstalter: Team Benedikt


 
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