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Guten Morgen <<Vorname>>

Die bald zwei Jahre Pandemie haben viel Leid verursacht und massenhaft Bilder der Irrnis produziert. Es ist, als würden Berge von Müll wachsen und wachsen.

Neuestes Beispiel ist ein martialisches Video, gedreht von einer Vereinigung namens «Wir für euch» am Ufer des Walensees. 40 Personen mit Kapuzen und Fackeln stehen am See, teilweise sind sie in Armee- oder Polizeiuniform gekleidet. Die Welt: Am Untergehen. Ich verzichte auf die Verlinkung des Videos und zeige stattdessen einen Screenshot (unten). 
Auf der Webseite von «Wir für euch» rufen anonyme Polizist:innen dazu auf, Strafanzeige gegen Kolleg:innen einzureichen, weil diese die Corona-Massnahmen durchsetzen. Angebliche Rechtsvertreter:innen behaupten, die Justiz sei nicht mehr unabhängig.

Wie der Tages-Anzeiger schreibt, finden sich auf der Website auch Äusserungen wie diese: «Wenn kein Wunder passiert, nähern wir uns langsam, aber sicher einem kollektiven Notwehr-Zustand an.» 

Anfang Oktober hatte die Republik berichtet, dass sich unter den Polizeibeamt:innen von «Wir für euch» zwei Zürcher Kantonspolizisten befinden. Sie wurden mittlerweile freigestellt. Die Kantonspolizei Zürich sagte: «Ein derartiger Aufruf verstösst gegen die Werte der Kantons­polizei und das Gelübde, das jede:r Polizist:in vor dem Eintritt ins Korps leistet, und kann das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit und Redlichkeit der Kantons­polizei untergraben.»

Der Tages-Anzeiger fragt: Wer steckt hinter «Wir für euch»? Wie viele Personen sind es? Es sind Fragen, die offenbar niemand beantworten kann: Weder das Bundesamt für Polizei noch mehrere vom Tages-Anzeiger angefragte Kantonspolizeien. Man habe keine Kenntnis von «Wir für euch»-Mitgliedern in ihrem Korps, aber man könne es auch nicht ausschliessen.
Am Donnerstag haben die Gegner (generisches Maskulinum zwingend) des kantonalen Energiegesetzes den Abstimmungskampf eröffnet. Im Komitee sitzen der Hauseigentümerverband Zürich sowie Vertreter von SVP und EDU.

Der Auftritt lässt sich mit dem Tweet der grünen Kantonsrätin Jasmin Pokerschnig bestens zusammenfassen:

 
Der Züritipp hat Isabelle von Walterskirchen und Céline Alpiger getroffen, zwei Frauen aus dem Zürcher Nachtleben, und sich mit ihnen über Diversität in der Klubszene unterhalten.

Meine Kolleg:innen von Tsüri.ch haben bereits im vergangenen Jahr eine Serie über Frauen im Nachtleben gestartet.

In der Serie kommt ebenfalls Isabelle von Walterskirchen zu Wort, Ikone der alternativen Schweizer Clubkultur und Leiterin des Clubbüros der Roten Fabrik.

Oder Vera Widmer, die seit mehr als 13 Jahren hinter dem Tresen ihrer Playbar steht, wo schon Céline Dion und Muhammad Ali verkehrten. 


Oder Zarina Friedli, Jenny Cara, Zinet Hassan und Luisa Ricard (im Bild unten), die über Gleichberechtigung reden wollen, aber von Quoten nichts halten.
Bild: Daniela Huser/Screenshot Berner Zeitung

Zürcherin des Tages: Isabella Huser

Isabella Huser, Tochter einer italienischen Mutter und eines jenischen Vaters, ist in den 60er-Jahren in Zürich aufgewachsen.

Kürzlich hat Isabella Huser, Autorin und Übersetzerin, ihr zweites Buch «Zigeuner» im Bilger Verlag herausgegeben. Huser hat Schicksale ihrer jenischen Vaterfamilie recherchiert, die bis zur Entstehung der modernen Schweiz zurückreichen.

Die WOZ schreibt in einer schönen Rezension: «Der Roman von Isabella Huser ist eine historische wie literarische Entdeckung. Eine historische, weil er die Verfolgung der Jenischen durch die Schweizer Behörden aus ihrer Perspektive erzählt. Literarisch ist das Buch beeindruckend, weil Huser sich darin auf eine Spurensuche begibt. Die Verfolgung, so exakt wie einfühlsam beschrieben, wird selbst nachverfolgbar.»
Coronazahlen und Kurz-News
Im Kanton Zürich wurden am 21. Oktober 190 Neuansteckungen mit dem Corona-Virus gemeldet. 69 Personen sind hospitalisiert (fünf weniger als am Vortag), 25 Personen befinden sich in Intensivpflege (zwei weniger als am Vortag).
  • Ab Mitte November impfen Moscheen im Kanton Zürich gegen das Corona-Virus, berichtet das Regionaljournal. Die Vereinigung islamischer Organisationen will damit die Impfquote von Muslim:innen erhöhen. Der 12. und 14. November sind als Impftage bestimmt.
  • Die Jungen Grünen haben vor zwei Jahren eine Kreislauf-Initiative eingereicht: Abfälle sollen vermieden, Stoffkreisläufe geschlossen werden. Die Zürcher Regierung hat einen Gegenvorschlag formuliert, der nun von der kantonsrätlichen Umweltkommission unterstützt wird. Die Initiant:innen werden die Initiative wohl zurückziehen, schreibt die NZZ.
  • Der Kanton Zürich will, dass es den Bienen besser geht, und hat eine Fachstelle für Bienen geschaffen. Die Hälfte der Bienenarten steht auf der roten Liste, die Zahl der Bienen sinkt, es fehlen Nistplätze und Nahrung. Was die Fachstelle konkret macht, erfährst du im Regionaljournal. 
Rezept des Tages: Öpfelchüechli mit Zimt und Zucker

Hmmm, wer liebt ihn nicht, den Duft von frischen Öpfelchüechli? Dieser süsse Klassiker passt perfekt zum goldigen Herbst – natürlich mit einem Klecks Vanillesauce!

Hier geht es zum Rezept.

(Bezahlte Partnerschaft mit Bio Mio)
Das Nützliche zum Schluss

Im Mittwochsbriefing hatte ich nach magischen Orten der Liebe in Zürich gefragt. Gerne gebe ich wieder, was mir Leser Tobias geschrieben hat:

«Der Ort: Die Mauer am Lindenhof oberhalb der Limmat.

Die Begebenheit: Ein Sommerabend im August, unter der Woche. Das erste Date.

Wir beschliessen, nach dem Essen zum Lindenhof zu gehen, und setzen uns auf die Mauer. Zunächst bestaunen wir die waghalsigen Manöver der Limmatkähne auf dem Fluss und betrachten das geschäftige Treiben am Limmatquai gegenüber. Etwas später bricht die blaue Stunde an, immer mehr Lichter des Niederdorfs erhellen die anbrechende Nacht. Wir reden, kommen uns näher. Um Mitternacht sind wir ganz allein auf dem Lindenhof. Wir bleiben, die jetzt spärliche Beleuchtung verstärkt den Zauber der Nacht. Auf der Mauer fühlt es sich in der Dunkelheit beinahe an, als schwebten wir über der Stadt, und schwebend küssen wir uns.»

Tobias' Zeilen haben mich an eines meiner Lieblingsgedichte erinnert, es ist von Bertolt Brecht, heisst «Die Liebenden» und handelt von Kranichen, die hoch oben fliegen. Meine liebste Stelle:

«So unter Sonn und Monds verschiedenen Scheiben
Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.
Wohin ihr? – Nirgend hin. Von wem davon? – Von allen.
Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?
Seit kurzem. – Und wann werden sie sich trennen? – Bald.»

Fliegt immer weiter, Salome
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