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Guten Morgen <<Vorname>>

Vor bald zehn Jahren bin ich vom Land in die Stadt gezogen. Seither höre ich Lärm, höre ich Geräusche anders. Wenn etwa ein Bus auf eine Haltestelle zufährt und allmählich stoppt, klingt dies für mich wie ein grosses Tier, das seufzt.

Als ich gelesen habe, dass der Stadtrat die Spezialregeln für Gastrobetriebe und Hotels in der Stadt Zürich verlängert, Restaurants und Bars also bis Ende März 2022 draussen grosszügig stuhlen dürfen, dachte ich an den Lärm in der Stadt. Das «Echo der Zeit» berichtete, dass die Lärmklagen von Anwohner:innen zugenommen hätten, weil sich das Leben durch die Sonderregelung auf die Strassen verlagert hat. 

Nicht jeder Lärm und jedes Geräusch lassen sich in ein schön klingendes Anderes verwandeln. Aber es besteht eine Nähe zwischen Alltagsrauschen und poetischen Klangbildern.

In einer Theaterrezension der «Zeit» stand folgender Satz: «Das siebenköpfige Ensemble heult in einem Verzweiflungston, wie ihn Betrunkene haben, die einem nachts unbeleuchtet entgegenkommen und einem Bierflaschen zwischen die Schritte kicken.»

Und Herta Müller sagte in ihrer Nobelpreisrede 2009, die ich neulich gelesen habe: «Weil der Zug auf Rumänisch TREN und die Träne im Banater Dialekt TRÄN heissen, glich das Quietschen der Züge auf den Schienen in meinem Kopf immer dem Weinen.»

Ich glaube, Lärm lässt sich in Bildern bannen. Finden wir Metaphern für den Lärm um und in uns, ist er leichter zu ertragen. 
Zurück zur Alltagsprosa und Fragen der Freiheit – bürokratisch beantwortet:

An Kundgebungen in Zürich waren während der Corona-Monate Dezember bis Februar maximal 10 Personen erlaubt, bis Mitte April waren maximal 15 Personen zulässig. Die Zürcher Regelung war eine der strengsten in der Schweiz. 

Weil die Einschränkung der Demonstrationsfreiheit zu stark war, stellt sich jetzt die Frage, ob damals verzeigte Demonstrant:innen das Bussgeld zurückbekommen, ob manche eine mildere Busse erhalten und ob Strafbefehle aus jener Zeit für nichtig erklärt werden.

Im Mai entschied das Verwaltungsgericht, dass die 15er-Regel unzulässig war. Beim Zürcher Stadtrichteramt sind 150 Verfahren hängig, welche die 15er-Regel betreffen, schreibt der Tages-Anzeiger. In diese Zeit fallen Demonstrationen zum Internationalen Tag der Frau. 100 Verfahren betreffen die 10er-Regel.

Gemäss Stadtrichteramt ist die Teilnahme an einer Kundgebung mit mehr als 10 beziehungsweise 15 Personen «wohl keine Strafbarkeit» bezüglich Widerhandlung gegen das Epidemiengesetz. Wer also an einer solchen Demonstration teilgenommen hat, kann nicht wegen Übertreten der Covid-Verordnung bestraft werden, sondern nur noch wegen der Teilnahme an einer unbewilligten Kundgebung. Die Bussen dafür belaufen sich auf 150 bis 250 Franken.
Am 28. November stimmen wir über das kantonale Energiegesetz ab. Der sogenannte Klimadeal sieht unter anderem vor, dass bis 2040 Öl- und Gasheizungen durch Systeme ersetzt werden, die ohne fossile Brennstoffe auskommen. 

Der Mieterinnen- und Mieterverband hat am Montag überraschend bekannt gegeben, dass er das neue Gesetz nicht unterstützt. Er gibt keine Abstimmungsempfehlung ab. Der Grund: Der Verband befürchtet Leerkündigungen. Immobilienfirmen könnten die notwendigen Sanierungen zum Vorwand nehmen, den Mieter:innen zu kündigen, die Gebäude umzubauen und höhere Mieten zu verlangen. Ähnlich argumentiert der Zürcher Hauseigentümerverband – er hatte das Referendum gegen das kantonale Energiegesetz ergriffen. 

Dominik Waser, grüner Stadtratskandidat und Klimaaktivist, kommentierte die Stimmfreigabe auf Twitter: «EIN ARMUTSZEUGNIS & ein gefährliches Signal des linken Mieter:innenverbands! Wirksamer Klimaschutz wird mit fadenscheinigen Argumenten verhindert.»

40 Prozent der Treibhausgasemissionen werden durch Gebäude verursacht, 20 Prozent durch unsere Ernährung. Die Stadt Zürich verfolgt eine Ernährungsstrategie, damit sie bis 2040 klimaneutral wird.

Mein Kollege Michael Schallschmidt hat mit Yvonne Lötscher, Leiterin Planung und Projekte Ernährung, darüber gesprochen, wie die Strategie umgesetzt werden soll und wo Zürich derzeit steht. Lötscher sagt, Foodwaste sei noch immer ein Problem. Und auch teuer: «Durch weniger Food Waste kann man Geld sparen. Ein durchschnittlicher Haushalt verschwendet jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 620 CHF pro Person!»
Screenshot Tele Züri

Zürcherin des Tages: Pia Landis

Im Beitrag von Tele Züri wird Pia Landis Alpaka-Mami genannt, sie ist Chefin des Alpakahof Zürich. Am Montag sind einige Alpakas von Bern nach Opfikon auf den Hof von Pia Landis gereist. Zürcher:innen sollen Entspannung und Entschleunigung finden, wenn sie mit den Alpakas auf einen Spaziergang gehen. Oder ihnen beim Kauen zuschauen.

Pia Landis sagte im Beitrag, sie sei während zwei Monaten zwischen Bern und Zürich hin- und hergereist und habe alle Tiere mit Namen kennengelernt: «Es ist jetzt ganz speziell, die Alpakas hier in Zürich begrüssen zu dürfen.»

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Coronazahlen und Kurz-News
Im Kanton Zürich wurden am 11. Oktober 68 Neuansteckungen mit dem Corona-Virus gemeldet. 87 Personen sind hospitalisiert (eine Person weniger als am Vortag), 42 befinden sich in Intensivpflege (eine Person mehr als am Vortag).
  • Die Kantone Zürich und Bern wollen den nasalen Schnelltest nicht mehr für das Covid-Zertifikat zulassen. Nur noch negative Nasen-Rachen-Abstriche sollen den Erhalt eines Zertifikats ermöglichen. Der Berner Regierungsrat wird bei der Konferenz der Gesundheitsdirektoren einen entsprechenden Vorschlag einbringen. Die Zürcher Gesundheitsdirektion teilt laut NZZ das Anliegen aus Bern. 
  • Die grösste Zürcher Zunft «zur Meisen» überlegt sich, in Zukunft Frauen aufzunehmen. Laut Regionaljournal hat eine Arbeitsgruppe der Zunft ein Konzept ausgearbeitet: Töchter von Zünftern sollen Zunft-Mitglied werden können, Ehefrauen hingegen nicht – es wären sonst zu viele potenzielle Neumitglieder. An der Generalversammlung im nächsten Jahr wird über das Konzept abgestimmt.
  • Auf der Zürcher Hardturmbrache fand während dreieinhalb Wochen das Foodfestival statt. Wie «20 Minuten» berichtete, gab es am zweitletzten Tag technische Probleme. Standbetreiber:innen mussten Umsatzeinbussen hinnehmen und nicht verkaufte Esswaren wegwerfen.
  • Papier ist ein bisschen tot: Wegen eines akuten Papiermangels in der Schweiz werden die Zeitungsumfänge bei 20 Minuten, Tamedia, NZZ und CH Media bis mindestens Ende Oktober gekürzt. In der Fabrik, die einen Grossteil der Schweizer Publikationen mit Papier versorgt, ist am Donnerstag Feuer ausgebrochen. Zudem herrscht auf dem europäischen Zeitungspapiermarkt seit mehreren Monaten eine allgemeine Papierknappheit.
Tipp des Tages: Der Besuch der alten Dame

Theaterliebhaber:in aufgepasst, diesen Dienstag kannst du einen Schweizer Klassiker im Pfauen erleben. Das Stück «Der Besuch der alten Dame» von Dürrenmatt wird inszeniert von Nicolas Stemann. Das Bühnenwerk dreht sich um Gerechtigkeit und Rache und um die Frage, worin der Unterschied liegt. Ab wann wird aus einer betroffenen Person ein:e Täter:in? Die zwei Schauspieler:innen Patrycia Ziółkowska und Sebastian Rudolph stemmen alle 31 Rollen, wechseln sich darin sogar ab und hauen dich mit geladener Energie um. Viel Vergnügen beim Classic-Dienstag, oder so.


Mehr Infos findest du hier. 
Das Nützliche zum Schluss

Ich war am Wochenende im Wallis, habe das Saastal durchwandert, Esel, Schafe und Monstertrottinetts gesehen. Weil das Wallis wild und gerade Wild-Saison ist, wurde ich gefragt: Wo isst man in der Stadt Zürich eigentlich gut Wild?

Ich habe die Frage an Gastroqueen Claudia Schmid weitergereicht, sie schreibt für den Züritipp über Restaurants in Zürich. 

Claudia antwortete ferienbedingt kurz, aber prägnant: «Im Schiwago!»

Dort herrschen zurzeit «wilde Zeiten». Wenn du wie ich beim Wildessen die vegetarische Variante bevorzugst, bist du mit «Vegi – Wilder Herbstteller» bestens bedient.


En Güete! Salome
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