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DAILY BRIEFING
Steffen Kolberg

Guten Morgen <<Vorname>>

«Endlich normale Leute» war das erste, was mir beim Besuch des Unite-Festivals am Wochenende in den Sinn kam. Das antifaschistische Fest fand zum letzten Mal auf dem besetzten Koch-Areal in Albisrieden statt, ab nächstem Jahr entstehen auf dem Gelände unter anderem Genossenschaftswohnungen und ein Quartierpark. Damit endet voraussichtlich die Zeit der grossen Arealbesetzungen in Zürich – leerstehende Areale gibt es in der Stadt nämlich keine mehr, und falls doch, hat die Stadt inzwischen komplexe Zwischennutzungsverfahren dafür parat.

Ganz so, wie die AI sich das Festival vorstellte, sah es auf dem Unite-Festival dann doch nicht aus (Foto: Screenshot Twitter)

Die Veranstalter:innen erinnerten am Wochenende an die Geschichte der Hausbesetzungen in Zürich – an die grosser Areale wie Wohlgroth oder Binz, aber auch an unzählige Hausbesetzungen bis zurück ins Jahr 1971. Es war also nicht nur kämpferisch beim Unite, es war auch ein wenig wehmütig. Und ja, es war auch laut.

Drei Dutzend Lärmklagen kamen laut Tages-Anzeiger bei der Stadtpolizei an – eine davon vom Stadtzürcher FDP-Präsident Përparim Avdili, der unweit des Areals wohnt. Die Polizei habe am Telefon erklärt, sie dürfe «aus politischen Gründen» nichts machen, so Avdili auf Twitter zu einem Video gut hörbarer HipHop-Beats. Auf Nachfrage des Tagi äusserte sich die Stadtpolizei dazu nicht. Avdili dagegen schon: Es gehe ihm weniger um den Lärm als darum, dass «gewisse Kreise» gegen das Gesetz verstiessen, während Restaurants um 22 Uhr schliessen müssten.

Fair enough, mag man denken: Es ist wirklich schon lange an der Zeit, dass die in weiten Teilen bünzligen Regulierungen zur Ruhestörung neu ausgehandelt werden und zum Beispiel eine Aussenbewirtung am Wochenende nach 22 Uhr zulassen. Ob es aber der Debatte hilft, jungen Leuten anzukreiden, dass sie sich für ein Wochenende von dieser Bünzligkeit verabschieden?

Apropos Bünzligkeit: Gerade findet ja wieder das Knabenschiessen statt. Während bis heute der Wettbewerb zum:zur Schützenkönig:in läuft, toben sich die Teenagerjungs auf der Chilbi am liebsten am Boxautomaten aus, um «ein bisschen Wut rauszulassen», wie ZüriToday berichtet. Alles regelkonform natürlich. «Endlich normale Leute», werden sich so manche bei der FDP denken.
Atommüll kommt nach Zürich – oder doch nicht?
Am Wochenende war der endgültige Entscheid da: Das Schweizer Atomendlager soll in das Gebiet Nördlich Lägern kommen, ins Grenzgebiet zwischen den Kantonen Aargau und Zürich. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hatte den Standort zuletzt als einen von drei in der engeren Auswahl.

Feierabend im Zürcher Unterland im Jahre 2075?

Die NZZ war im Zürcher Unterland in den Örtchen Weiach und Stadel unterwegs, die unweit der geplanten Deponie liegen. Was sie vor Ort fand, war erstaunlich wenig Widerstand gegen das Atomendlager: Man vertraue den Fachleuten, heisst es von den Protagonist:innen fast einhellig, ein Landwirt wird mit den Worten «Irgendeiner muss es fressen» zitiert. Eine Biobäuerin, deren Hof nur 300 Meter vom geplanten Standort entfernt liegt, lässt die Entscheidung allerdings weniger kalt.

Der Tages-Anzeiger hat sich derweil kritisch mit der Standortfindung auseinandergesetzt und zeichnet nach, wie Nördlich Lägern 2015 zunächst aus dem Rennen fiel und nun am Ende doch «gewann». Es ist eine Geschichte von falschen Bohrungen, widerständigen Innerschweizer:innen, einem skeptischen Kanton Zürich und einem aufgeflogenen Geheimpapier der Nagra. Der Geologe Marcos Buser fordert im Interview mit dem Tagi mehr Transparenz von den Behörden – und geht davon aus, dass noch mit Rückschlägen zu rechnen ist.

Wo der Kanton Strom sparen will

Alle reden von der Energiekrise, nur der Kanton Zürich hat noch keinen rechten Plan. Diesen Eindruck will Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) nicht so stehen lassen. «Was ich sicher nicht will, sind irgendwelche Schnellschussaktionen, die wir nach zwei Wochen dann wieder rückgängig machen müssen, weil sie gar nicht funktionieren», so der Baudirektor im Interview mit der NZZ.

Er könne sich ein mit den Gemeinden abgestimmtes Vorgehen beispielsweise bei der Strassenbeleuchtung vorstellen, so Neukom weiter. Diese trage ein Fünftel zu den 55 Gigawattstunden Gesamtenergieverbrauch der kantonalen Institutionen bei. Das subjektive Sicherheitsgefühl gerade von Frauen, die Nachts zu Fuss unterwegs sind, nehme man bei diesen Überlegungen sehr ernst.
Das Stromsparpotenzial kantonaler Gebäude wie Kantonsschulen, Universitäten oder Gefängnisse ermittle man derzeit noch, so Neukom. Auf die Frage der NZZ, ob der durch das kantonale Energiegesetz noch forcierte Ausbau von stromintensiven Wärmepumpen nicht das Einsparpotenzial gefährde, gibt er zu bedenken, dass die bis ins Frühjahr 2023 noch zu installierenden Systeme den Stromverbrauch im Kanton um lediglich 0,2 Prozent erhöhten. Für den weiter wachsenden Strombedarf müsse man jedoch unbedingt die inländische Stromprduktion ausbauen, «speziell mit Solaranlagen in den Alpen.»

Foto: Screenshot Tages-Anzeiger / Samuel Schalch

Yannik Zamboni

Ich erinnere mich noch, als in den 2000ern die Farbe Weiss Einzug in den Alltag hielt: Apple hatte mit seinen weissen Plastikkopfhörern und -kabeln Designelemente geschaffen, die die Farblosigkeit als Farbe wieder sichtbar machten. 20 Jahre später sind die AirPods immer noch weiss, und die Farbe scheint noch lange nicht aus der Mode zu geraten. Das beweisst auch der Modedesigner Yannik Zamboni, dessen Label auf den Namen «Maison Blanche» hört.

Dem Tages-Anzeiger zufolge kommt Zamboni ursprünglich aus dem Baselbiet, machte zunächst das KV und eine Marketingausbildung, um dann noch einmal umzusatteln und das Mode- und Schneiderhandwerk an der Schweizer Textilfachschule in Zürich zu erlernen. Ende vergangenen Jahres habe ihm noch die Insolvenz gedroht, nun ist er um eine Million Dollar reicher: Am Freitag gewann Zamboni nämlich als erster Nicht-US-Amerikaner die amerikanische Show «Making The Cut» – und wird seine nächste Kollektion auf der New York Fashion Week präsentieren.

«Maison Blanche» produziert laut Tagi plastikfrei, vegan und aus nachhaltigen Stoffen. Zudem verzichtet Zamboni auf Geschlechtereinteilung und klassische Konfektionsgrössen. «Alles Stücke, die ich gern tragen würde», so Jurypräsidentin Heidi Klum.
  • Dass die Kantonspolizei die geplante Sperrung der Rosengartenstrasse zur 50-Jahr-Feier der Zürcher Westtangente untersagen würde, kam für die Organisator:innen anscheinend völlig unverhofft. Denn laut Tages-Anzeiger (Artikel noch nicht online verfügbar) war auch ein Vertreter der Kantonspolizei in den Planungsprozess eingebunden. Die Zeitung rekonstruiert heute die Planung und die Absage des Events.
  • Wieder Niederlage für FCZ: Der Meister der letzten Saison verlor gestern im achten Spiel zum sechsten Mal, wie ZüriToday berichtet. Gegen Servette habe es trotz guter Leistung nur zum 2:3 gereicht, die Genfer schossen ihr drittes Tor in der neunzigsten Minute.
  • Mann mit Messer schwer verletzt: In Pfäffikon griff am Samstag ein Mann einen anderen Mann mit einem Messer an, wie die Kantonspolizei mitteilt. Dieser habe mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht werden müssen.


Film: Die tanzenden Kühe


Ich weiss nicht, ob ich schon jemals einen schöner klingenden Filmtitel als diesen gehört habe: «Anche stanotte le mucche danzeranno sul tetto». Auf gut Deutsch: «Auch diese Nacht werden die Kühe auf dem Dach tanzen». Diese tanzenden Kühe sind im Onsernonetal zu finden. Der Dokfilm begleitet den Aussteiger Fabiano, der sich als Kleinbauer durchschlägt. Sein Leben mag idyllisch klingen, doch der Todesfall eines Mazedoniers, der mehrfach schwarz für ihn gearbeitet hat, lässt Fabiano nicht mehr los.

Ort: Xenix, Kanzleistrasse 52, 8004 Zürich


Die gute Tat am Montag


Nach einem Wochenende in die Arbeitswoche starten, das sieht bei vielen nicht so geschmeidig aus wie beim Dackel auf seinem Skateboard. Item. Falls du gerade noch keine Lust hast, dich deinen Tasks zu widmen: Ich habe einen Vorschlag, wie du noch ein bisschen prokastinieren kannst. 

Klicke auf diesen Link, fülle das Formular aus und folge den Anweisungen. Schon nach wenigen Minuten hast du eine gute Tat vollbracht. Und das an einem Montagmorgen. 
Ich wünsche einen wunderbaren Wochenstart
Steffen Kolberg
«Immer nur Velo», hörte ich letztens einen Freund raunen, als ich ihm erzählte, mit was wir uns bei Tsüri.ch gerade so beschäftigen. Kann schon sein, dass wir einen gewissen Fokus auf diesem umweltfreundlichen Verkehrmittel haben. Deshalb folgt nun auch gleich der nächste Velo-Inhalt. Die kantonale Fachstelle für Veloverkehr hat nämlich Tipps rund um das Thema Velodiebstahl zusammengestellt, die ich dir nicht vorenthalten möchte:
  • Bevor das Velo weg ist: Velo mindestens einmal von der Seite fotografieren und wichtige Merkmale wie die Rahmennummer, die Marke, die Gänge und so weiter notieren.
  • Beim Parkieren: Ein wertiges und schweres Schloss verwenden und möglichst weit oben, entfernt vom Boden anbringen.
  • Wenn das Velo weg ist: Bei der städtischen Velosuche nachfragen.

 

Wie gut kennst du dich in Zürich aus? Wenn du weisst, was das obige Foto des Fotografen Philipp Baer zeigt, schick' uns die Antwort bis am Donnerstagmittag an folgende Mailadresse: gewinnen@tsri.ch.

Zu gewinnen gibt es diese Woche 2x2 Karten für Klima à la carte im Restaurant Rüsterei. Weil die Veranstaltung schon diesen Freitag zum Zmittag stattfindet, brauchen wir die Lösung ausnahmsweise schon bis morgen Dienstag. Aber sooo schwer ist es diese Woche auch nicht, oder?

PS: Hast du einen tollen Preis, den wir nächste Woche verlosen können? Auch dann: gerne melden.
Heute auf Tsüri.ch: «Nachtleben-Kolumne: Warum das ‹Warm-up› die Königsklasse des Auflegens ist»

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