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Guten Morgen <<Vorname>>

Everyone and their dog, sagen die Engländer:innen, wenn sie alle, wirklich alle, in eine Rechnung miteinbeziehen wollen. Zum Beispiel: Everyone and their dog müssen eines Tages sterben.

Nun müssen zwar tatsächlich alle einmal sterben, Mensch und Tier gleichermassen, aber zur ewigen Ruhe wird üblicherweise unterschiedlich gebettet. Der Mensch auf dem Friedhof, die Katze wahlweise im Vorgarten oder in der Tierkadaverstelle. Seit einem Monat ist im Friedhof Nordheim eine gemeinsame Beisetzung mit einer geteilten Grabinschrift möglich. 360 Franken kostet das Begräbnis eines Haustiers, darin sind Kremierung und Holzpfeiler erfasst.

Drei Gräber seien bereits vermietet, sagt der stellvertretende Leiter des Friedhofs- und Bestattungsamts Zürich in der Reportage des Regionaljournal, 120 Gräber stünden insgesamt zur Verfügung. Ob Goldfisch, Pferd, Esel oder Schaf: Einmal zu Asche verarbeitet, darf im Friedhof Nordheim jedes Tier seinen Liegeplatz für die Ewigkeit einnehmen. 
Eine vom Staatssekretariat SEM angeordnete und von alt Bundesrichters Niklaus Oberholzer durchgeführte Untersuchung zu den Zuständen in den Bundesaylzentren hat erschreckende Ergebnisse zutage gefördert: Unangemessene und rechtswidrige Gewaltanwendung, überforderte private Sicherheitskräfte.

Die Untersuchung war eine Reaktion auf Medienberichte von diesem Frühling, sowie auf einen Bericht von Amnesty International, in dem der Vorwurf der Folter erhoben worden war. Alt Bundesrichter Oberholzer stellte in dem Bericht weiter den Einsatz von privaten Sicherheitskräften grundlegend in Frage, hielt aber abschliessend fest, dass es keine Hinweise auf systematische Missachtung der Rechte von Asylsuchenden gäbe.

Im Zürcher Stadtrat forderte Linksgrün bereits vor einem Monat die Schliessung des Bundesasylzentrums aufgrund menschenunwürdiger Zustände. Die Grüne-Gemeinderätin Monika Bätschmann sagte nun auch im Regionaljournal, die vorgeschlagenen Verbesserungen im Oberholzer-Bericht seien bloss ein Tropfen auf dem heissen Stein. Die ganze Lebenssituation in den Zentren sei «keine gute». Ähnlich tönte Willi Wotreng von der Alternativen Liste, der «unwürdige Zustände» beklagte.

Die Kritik von Oberholzer ist wichtig und richtig, auch wenn sie sich nur mit den von den Medien recherchierten Fällen auseinandergesetzt hat, sie unterschlägt aber das eigentliche Problem: Dass Menschen faktisch eingesperrt werden, weil sie ein besseres Leben suchen.
Der Entscheid des Mieter:innenverbands, zur Energiegesetz-Abstimmung vom November keine Parole zu beschliessen, sorgte vergangene Woche in gewissen Kreisen für Unmut. Nun zeigt sich: Auch der Stadtrat ist besorgt über ein Szenario, in dem Hauseigentümer:innen den Heizungsumbau für Leerkündigungen und massive Mietzinserhöhungen nutzen könnten. Die Regierung will deshalb Hauseigentümer:innen, die Förderbeiträge für den Ersatz der alten Ölheizung wollen, dazu verpflichten, den Umbau sozialverträglich zu gestalten. Beim Hauseigentümerverband HEV kommt die städtische Sozialoffensive erwartungsgemäss schlecht an: «Das ist Planwirtschaft», sagt HEV-Direktor und FDP-Gemeinderat Albert Leiser im Tages-Anzeiger
Symbolbewegtbild: Albert Leisers Warnung vor der Planwirtschaft.
Planschwirtschaft statt Planwirtschaft gibt es in der Badi 409, einer Zwischennutzung in einem ehemaligen Kinderheim. Meine Tsüri-Kollegin Céline hat den Zwischennutzer:innen – vom Partykollektiv bis zur Fahrrad-Werkstatt – einen Besuch abgestattet

Die Badi ist eine von zwei grossen Zwischennutzungen, die dieses Jahr in Zürich entstanden sind: Die andere ist die Manegg am östlichen Stadtrand und auch hier war Céline auf Besuch. Auf dem alten Industrieareal haben sich unter anderem ein Geigenbauer, Künstler:innen oder ein Möbel-Restaurateur eingenistet. 
Bild: Wikimedia commons/Perconte

Zürcher:in des Tages: Der Kreis 1

Diese Wahl ist eine traurige: Der Kreis 1 ist zwar Zürcher des Tages, aber freuen kann er sich über die Auszeichnung nicht mehr. Der Tages-Anzeiger hat dem reichsten und verschwiegensten aller Stadtkreise einen schönen Nachruf gewidmet – mit der zutreffenden Pointe, dass der Kreis 1 eigentlich schon länger nicht mehr unter uns geweilt hat:

«Wir haben es alle längst vermutet. Spätestens als nach dem Lockdown die Schlange vor dem Louis-Vuitton-Laden länger war als vor dem Regal mit dem WC-Papier im Supermarkt, fingen wir an, uns Sorgen zu machen. Doch jetzt können wir zugeben: Hoffnung gab es ohnehin nicht mehr.»
Coronazahlen und Kurz-News
Im Kanton Zürich wurden gestern Montag 105 neue positive Corona-Tests gemeldet. 73 (+1) Personen sind hospitalisiert, 32 (-2)  befinden sich in Intensivpflege, 18 (+1) sind auf Beatmungsgeräte angewiesen. 

Das Impftram hält heute von 11 bis 14.30 Uhr an der Burgwies und von 15.30 bis 19.30 Uhr bei der Bellevue-Schleife.  
  • Am Montagmittag kam es auf der Kasernenstrasse zu einem Zusammenstoss zwischen einem Flexity-Tram und einem E-Trottinett-Fahrer. Der 49-Jährige Trotti-Fahrer wurde mit unbekannten Verletzungen ins Spital gebracht, schreibt der Tages-Anzeiger. Die Polizei sucht Zeugen, die den Unfall beobachtet haben.
  • Julian Reichelt, Chefredakteur der Bild-Zeitung, wurde am Montagabend mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden, hiess es aus dem Haus Springer. Gegen den 41-Jährigen lief bereits letzten Frühling ein Compliance-Verfahren wegen Missbrauchs von Macht, nun hat wohl ein Bericht in der New York Times Reichelt den Job gekostet. Reichelt, so die Erklärung Springers zur fristlosen Entlassung, habe, «Privates und Berufliches nicht klar getrennt». Die FAZ schlüsselte den Fall auf. 
  • Das erste Wochenende nach dem Ende der Gratis-Tests hat den Clubs in Zürich einen Rückgang der Besucher:innen beschert, berichtet das Regionaljournal unter Berufung auf die Bar- und Clubkommission. Diese hielt in einem Zwischenfazit fest, dass vor allem am Freitag weniger Gäste gekommen seien. Ein definitives Fazit sei aber erst in ein paar Wochen möglich, so die Kommission. 
  • Wird es noch was mit der Wohnüberbauung Brunaupark? Nach dem Baurekursgericht hat auch das Verwaltungsgericht dem Bauvorhaben der Credit Suisse wegen ungenügenden Lärmschutzes eine Absage erteilt. Noch ist das Projekt aber nicht vom Tisch: Die CS treibt parallel zum Gerichtsverfahren ein neues, lärmschutzverbessertes Projekt voran. Die NZZ klärt auf. 
Tipp des Tages: Ausstellung «Wohin?»

Wohin diesen Dienstag? Ins Helmhaus! Die Frage «Wohin?» ist aber nicht immer so einfach zu beantworten und begegnet uns doch sehr oft. Mit dieser Problematik beschäftigen sich sieben Kollektive und Künstler:innen in einer Ausstellung im Helmhaus. Thematisch geht es um sozial- und umweltpolitische Räume, um kollektive und individuelle, öffentliche und private Werte und um die Suche von Menschen nach Glück. Der Eintritt ist frei. Und wenn deine Antwort auf das «Wohin?» an diesem Dienstag doch anders ausfällt, hast du noch bis am 14. November Zeit, die Frage mit «ins Helmhaus» zu beantworten.

Ort: Helmhaus Zürich, Limmatquai 31, 8001 Zürich

 

P.S. Das Nützliche zum Schluss

Es ist Erntezeit im Apfelland: Der Thurgau, dieser mystische Landstrich mit den schweren Nebelschwaden, den schnurgeraden Velowegen und der besonderen Hinterzimmer-Italianità, hat es mir seit jeher angetan. Und im Herbst, wenn die Hoch- und Niederstammbäume schwer an ihrer Last tragen, ist es in Mostindien noch schöner. Auf einer Bildungsreise nach Arbon, ins Möhlmuseum Momö, habe ich kürzlich so allerhand Nützliches gelernt: Wusstest du etwa, dass ein einziger Apfelbaum bis zu 2 Tonnen Früchte tragen kann? Oder dass von 1950 bis 1975 Fällkommandos in einer beispiellosen Abholz-Aktion, dem sogenannten Thurgauer «Baummord», 1.5 Millionen Hochstammbäumen den Garaus gemacht haben, bloss weil der Markt gesättigt war?

Eine Frage konnte mir aber auch das Momö nicht beantworten: Welches ist eigentlich die beste Apfelsorte? Jugendlicher Ungestüm führte mich einst zu Granny Smith, dann schwor ich lange auf Braeburn, mitunter ist es Cox Orange, was mich schwärmen lässt, und diesen Herbst habe ich Gravensteiner wieder entdeckt. Natürlich sind sie ALLE gut, aber gibt es vielleicht eine Sorte, die BESSER ist als alle anderen? Ich freue mich über Anregungen, Kritik und Degustationseinladungen auf william.stern@tsri.ch!

Ich wünsche dir einen saftigen Dienstag.
William Stern

PS: Das Zitat des Tages lautet – wie könnte es anders sein – : «An apple a day keeps the doctor away.»

 
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