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Guten Morgen <<Vorname>>

Normal ist, wenn du als junge Frau im Ausgang oder nachts auf dem Heimweg belästigt wirst. Normal ist, wenn du dich fürchtest und nicht weisst, wie du dich wehren sollst. Normal ist, dass du überhaupt darauf gefasst sein musst, dich wehren zu müssen.

Ist das normal?

Die Stadt Zürich hat Anfang Mai eine Website geschaltet, auf der Übergriffe im öffentlichen Raum gemeldet werden können. Bis Ende September 2021 sind 700 Meldungen eingegangen. Das sind fast fünf Meldungen pro Tag. 

Das Forschungsinstitut Sotomo hat im Auftrag der Stadt Zürich eine Befragungsstudie durchgeführt. Die Auswertungen zeigen:
  • Übergriffiges Verhalten (verbale Belästigungen, Beschimpfungen, Betatschen, Schläge) findet am häufigsten in Bars oder Clubs statt, gefolgt von Festen, Festivals und öffentlichen Aussenräumen wie Strassen, Plätzen, Trottoirs.
  • Jede dritte Frau zwischen 16 und 35 Jahren ist im Ausgang häufig mit unangenehmen und übergriffigen Situationen konfrontiert.
  • Auch junge Männer erleben aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung übergriffige Situationen, allerdings deutlich weniger häufig als junge Frauen.
  • Junge Erwachsene zwischen 16 und 35 Jahren erachten es als deutlich schwieriger, sich zu wehren. Sie fürchten sich vor einer Eskalation oder einer Schockstarre.
Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) sagte über die Website: «Belästigungserfahrungen sind kein privates Problem, sondern gehen uns alle an.» Die Stadt unterstütze Selbstverteidigungskurse für Frauen, Schwule und queere Menschen.

Es gäbe eine wirksamere Methode:
Die Klima-Aktivist:innen von Extinction Rebellion hatten am Montag beim Sitzstreik angekündigt, dass sie am Dienstag wiederkommen werden.

Hundert Personen gingen um elf Uhr vom Platzspitz Richtung Rudolf-Brun-Brücke, dreissig Leute blockierten mit einem Sitzstreik erneut die Strasse. An der Kreuzung Urania-/Bahnhofstrasse errichteten sie ein Holzgerüst, auf dem zwei Personen während einer Stunde in Hängematten ausharrten. 15 Personen wurden von der Stadtpolizei abgeführt.

Die NZZ spottete: «Geht Extinction Rebellion schon nach dem zweiten Tag die Puste aus? Die Aktionen der radikalen Klimaschutzbewegung fielen am zweiten Tag ihres ‹Aufstands gegen das Aussterben› deutlich kleiner aus als noch am Montag.» Am Montag waren 134 Personen festgenommen worden. 43 von ihnen befanden sich am Dienstagvormittag noch in Haft.

Extinction Rebellion lobte die Entschlossenheit der eigenen Leute und schrieb in einer Mitteilung: «Dass Menschen wie du und ich den Alltag stören und sich verhaften lassen müssen, tut ihnen sehr leid. Doch angesichts des absoluten Klimanotstands sind Störungen notwendig, um sich Gehör zu verschaffen.»

Für heute haben die Aktivist:innen weitere Aktionen angekündigt.
Klima-Aktivist:innen am 6. Oktober in Zürich. Bild: Extinction Rebellion
Das Weisse Haus hat gestern mitgeteilt, dass Joe Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan in die Schweiz reist. Sullivan wird heute den chinesischen Spitzendiplomaten Yang Jiechi in Zürich treffen.

Das Treffen falle «in eine Phase starker Spannungen zwischen China und den USA», schreibt die NZZ. Die Spitzenfunktionäre sollen versuchen, den bilateralen Kommunikationskanal wieder aufzubauen. Gemäss einer amerikanischen Sprecherin geht es im Gespräch um «verantwortungsvollen» Wettbewerb.

Die Präsidenten Joe Biden und Xi Jinping hatten im September am Telefon miteinander gesprochen. Damals wurde offenbar auch eine neue Gesprächsrunde vereinbart.
Ein Reinigungsmann und Naegelis Totenfigur. Foto: PD

Zürcher des Tages: Naegeli-Sensemann

Es gibt ein Verzeichnis, das alle Graffiti des Zürcher Künstlers Harald Naegeli in der Stadt Zürich auflistet, und unter «Treppenaufgang Grossmünster» steht neuerdings: Das Werk wurde entfernt.

Der Sensemann sei am vergangenen «Freitagmorgen zu Pendlerzeiten» entfernt worden, schreibt der Tages-Anzeiger und fragt: War dies ein offizieller Auftrag der Stadt?

Vor einem Jahr hatte der Stadtrat entschieden, dass sechs Graffiti von Naegeli, die im Frühling 2020 entstanden sind, bleiben dürfen. Immer wieder waren Sprayereien entfernt worden, von Liegenschaftsbesitzer:innen, unbekannten Privatpersonen, der Stiftung Zürcher Kunsthaus, dem Kanton Zürich.

Und in diesem Fall? Die Stadt Zürich lässt verlauten: «Niemand hat einen Reinigungsauftrag für das besagte Naegeli-Graffito erteilt.»
Coronazahlen und Kurz-News
Im Kanton Zürich wurden am 5. Oktober 227 Neuansteckungen mit dem Corona-Virus gemeldet. 99 Personen sind hospitalisiert (4 weniger als am Vortag), 46 befinden sich in Intensivpflege (6 mehr als am Vortag).
  • Nach den Sommerferien hatte der Stadtrat entschieden, auf der Rosengartenstrasse Tempo 30 einzuführen. Wie die NZZ heute schreibt, hat die Kantonspolizei dem Zürcher Stadtrat mitgeteilt, dass sie «Verkehrsanordnungen auf der Rosengartenstrasse ohne ihre Zustimmung als unzulässig erachtet». Der Stadtrat dürfte dem Kanton den Nachweis erbringen müssen, dass Tempo 30 die Leistungsfähigkeit nicht einschränkt. Mehr erfährst du hier.
  • Die Stadt Zürich will den Bereich zwischen Badi Mythenquai und Hafen Enge aufwerten. Der Bereich rund um die Sukkulenten-Sammlung soll gemäss Mitteilung zum Naherholungsgebiet werden. Die Bevölkerung kann via Online-Umfrage bis 28. Oktober 2021 ihre Ideen einbringen.
  • Der Bahnhof Winterthur soll umgebaut werden. Die SBB und die Stadt Winterthur haben am Dienstag ihre Pläne vorgestellt: Es gibt zwei Varianten, die unter anderem einen zusätzlichen Kopfbahnhof mit drei Gleisen vorsehen. Je nach Variante belaufen sich die Kosten auf 450 Millionen respektive 900 Millionen Franken. Weitere Infos findest du im Artikel der NZZ.
  • Die Kantonspolizei Zürich hat drei mutmassliche Internet-Betrüger festgenommen, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Die Männer hatten Daten von Kreditkarten erschlichen und damit Bargeld, Gold, Mobiltelefone, Laptops und Bitcoin-Wertkarten im Wert von mehreren zehntausend Franken erworben. Die Männer befinden sich in Untersuchungshaft.
Tipp des Tages: Schweizer Film «Wild – Jäger & Sammler»

«Wild – Jäger und Sammler» stellt eine der ältesten Kulturtechniken der Welt zur Debatte und dokumentiert aus unterschiedlichen Perspektiven authentisch das Wesen der Jagd. Der Filmemacher, Jäger und Forstingenieur Mario Theus konfrontiert das Publikum mit brisanten Fragen zu unserer ambivalenten Beziehung zu Wild-, Haus- und Nutztieren. Er dokumentiert schonungslos Widersprüche, die unserem Fleischkonsum zugrunde liegen.

Am 7. Oktober findet die Premiere von «Wild – Jäger und Sammler» in Anwesenheit des Regisseurs Mario Theus und des Produzenten Martin Schilt statt.

Wann und Wo: Donnerstag, 7. Oktober um 20.30 Uhr im Kinosaal 1 vom Kosmos, Lagerstrasse 104, 8004 Zürich

Tickets sind hier erhältlich. 

(Bezahlte Partnerschaft mit Kosmos)
Das Nützliche zum Schluss

Am Samstag eröffnet der Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich – damit werden die Werke der Sammlung Bührle zugänglich.

Der deutsche Waffenfabrikant Emil Bührle wurde während des Zweiten Weltkriegs zum reichsten Mann der Schweiz, er kaufte auf dem internationalen Kunstmarkt ein. Einige Werke aus Bührles Sammlung wurden nach dem Krieg als Raubkunst identifiziert.

Der Journalist Niklas Maak fragt in einem Artikel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (kostenpflichtig): «Warum erfahren Besucher:innen der Website des Kunsthauses Zürich nicht, dass Bührle mit Kriegsgerät das Geld verdiente? Warum heisst das, was man als ‹Holocaust› und ‹Ermordung von Juden› benennen müsste, in der Sprache des Museumsdirektors ‹Auf und Ab› der Geschichte?» 

Wenn du mehr über Bührle und seine Kunstsammlung erfahren willst: Schreib mir eine Mail, und ich schicke dir den Artikel aus der FAZ zu.
Ich wünsche dir einen schönen Tag! Bis nächste Woche, Salome
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