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EVTA.CH News
Dezember 2015

Die EVTA.CH ist die Interessensvertretung der gesangslehrenden, stimmbildenden und fachverwandten Berufe in der Schweiz.

Willkommen
In mein gar zu dunkles Leben
Strahlte einst ein süßes Bild;
Nun das süße Bild erblichen,
Bin ich gänzlich nachtumhüllt.

Wenn die Kinder sind im Dunkeln,
Wird beklommen ihr Gemüt,
Und um ihre Angst zu bannen,
Singen sie ein lautes Lied.

Ich, ein tolles Kind, ich singe
Jetzo in der Dunkelheit;
Klingt das Lied auch nicht ergötzlich,
Hat's mich doch von Angst befreit.

Heinrich Heine

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Am 4. Dezember gelangte der UNESCO-Bericht in die Medien, wonach Kultur entgegen der landläufigen Meinung rentiert: Die Kultur- und Kreativwirtschaft schafft jährlich 29,5 Millionen Arbeitsplätze auf der ganzen Welt - und damit mehr als die Automobilindustrie in Europa, Japan und den USA zusammen.
"Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist zentral für die wirtschaftliche Entwicklung in Industrie- und Entwicklungsländern gleichermassen", erklärte das Vorstandsmitglied der Deutschen UNESCO-Kommission, Karin von Welck. Kultur sei aber nicht nur Wirtschaftsgut, "sondern auch Träger von Lebensentwürfen, Traditionen und Identitäten und hat damit einen eigenständigen Stellenwert jenseits marktwirtschaftlicher Logik".
Die Kultur- und Kreativwirtschaft generiere einen ökonomischen Mehrwert und trage gleichzeitig "zu zukunftsfähigen kreativen Gesellschaften, zu mehr Lebensqualität und letztendlich zu einer menschenzentrierten, inklusiven und nachhaltigen Entwicklung" bei.

Wenn die Autoindustrie finanziell schlingert oder Abgasskandale produziert, ruft dies Regierungen und grosse Schlagzeilen auf den Plan, wenn aber aufgezeigt wird, dass die Kultur rentabler, ökonomischer, nachhaltiger und zukunftsfähiger ist als die wahrhaft „fossile“ Automobilindustrie, ist dies gerade mal eine kleine Medienmitteilung wert, die mich als Gesangslehrer dennoch mit Genugtuung und etwas Stolz erfüllt: nur mit einer radikalen Verlagerung auf immaterielle Güter schaffen wir den Sprung in ein postindustrielles und dekarbonisiertes Zeitalter mit den heute in Paris endlich beschlossenen Klimazielen von max. 1,5 Grad Erderwärmung.
Wir Gesangslehrende produzieren eben nicht bloss heisse Luft und CO2, sondern immaterielle Güter und menschliche Wärme, welche unser Planet und die Gesellschaft wahrhaft brauchen in den anstehenden  turbulenten Zeiten. 
Halten wir Terror, Krieg, Wachstumswahn und Umweltzerstörung also unsere stärkste Waffe entgegen: "Ich, ein tolles Kind, ich singe jetzo in der Dunkelheit; klingt das Lied auch nicht ergötzlich, hat's mich doch von Angst befreit." 
Seien wir ein wenig stolz und versichert, Teil einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung zu sein. 
Ich wünsche Ihnen aus ganzem Herzen viel Glück, Gesundheit und Gesang im nächsten Jahr !
 
Hans-Jürg Rickenbacher
Die EVTA Schweiz ist auf Kurs
- Erfreulicherweise bringen unsere Workshops nebst den attraktiven Inhalten auch Neumitglieder.
- Unsere Mitglieder erhalten bis zu vier Anlässe pro Jahr inklusive: wer alle besucht, hat seinen Mitgliederbeitrag also schnell wieder reingeholt und alle Anderen unterstützen unsere Anlässe solidarisch.
- Die Kommunikation via Newsletter, wunschweise in gedruckter oder elektronischer Form, ist gut angelaufen. Die EVTA-News erscheinen viermal jährlich und nach Bedarf können auch kurzfristig zusätzliche Informationen per Newsflash an unsere Mitglieder verschickt werden. Eingefügte Links, Bilder und Media entsprechen einem modernen und vernetzten Kommunikationsbedürfnis.
- Unser Fenster in der Schweizer Musikzeitung via Musikrat-Seite ist ein Glücksfall: wir können zu einem Bruchteil normaler Inseratskosten in einem schweizweit gelesenen Fachblatt über unsere Aktivitäten berichten.
- Die Vox Humana, Fachzeitschrift von BDG und EVTA Austria, hat uns eingeladen, vermehrt Beiträge aus der Schweiz einzuschicken und hiermit tut sich ein weiteres attraktives Fenster auf: Unsere Mitglieder können die Vox Humana oder das franz. Pendant  dazu, das Journal AFPC, über den Mitgliedsbeitrag sehr günstig abonnieren. Melden Sie sich hierzu im Sekretariat.
- Unsere Website wurde grafisch und inhaltlich verbessert: eine Fotogalerie zu unseren Anlässen folgt im Januar. Überzeugen Sie sich selbst: www.evta.ch

Der Vorstand in Festlaune und mit den besten Wünschen zu Weihnachten und Neujahr:
Nora Tiedcke, Nina Grunder, René Perler, Hans-Jürg Rickenbacher (v.l.n.r. auf dem Bild aus dem Opernhaus in Riga) sowie unsere unbezahlbare Sekretärin Doris McVeigh und EVTA-Beraterin Daniela Schumacher.
Vorschau

Samstag, 16. Januar 2015

Mitgliederversammlung 12.30 - 13.30 Uhr
Workshop Atem & Gesang 14.00-17.00 Uhr
Apéro ab 17.30 Uhr
Fortbildung für GesangspädagogInnen der EVTA mit Sabine Seidel
Hochschule der Künste Bern
Veress-Saal, Papiermühlestrasse 13h, Bern

EVTA-Mitglieder haben freien Eintritt

Lesen Sie den ausführlichen Artikel von Sabine Seidel auf den Seiten 26 bis 28 in der aktuellen Ausgabe der Vox Humana. (Oktober 2015)
Atem ist der Stoff, aus dem Stimme, Sprache und Gesang entstehen. Für Sänger ist der Atem Werkzeug für Stimmeinsatz, Klangformung und Artikulation, für Legato, Phrasierung und die viel diskutierte Stützfunktion. Atem ist aber auch Spiegel des Lebens und der Seele. Er findet sich in vielerlei körperlichen und personalen Zusammenhängen wieder. Damit ist der sängerische Atem weit mehr als eine körperliche Funktion mit dem phonetischen Ergebnis Stimme.
Inhalt dieser Fortbildung ist es, durch praktische Übungen ein Bewusstsein für das physiologische Zusammenspiel von Atem und Körper mit Stimme, Sprache und Gesang zu schaffen, welches die Basis für den Aufbau einer sängerischen Atemtechnik bilden kann. Bitte bewegungsfreudige Kleidung und möglichst flache Schuhe anziehen.
www.vokalraum-freiburg.de
www.atem-tonus-ton.com

Samstag, 30. April 2016 

Ab 13:30 bis 18:00, anschliessend Apéro  
Universitäts-HNO-Klinik Bern, Inselspital, Hör- Stimm- und Sprachabteilung, Eingang 48A
EVTA-Mitglieder haben freien Eintritt

Für die diesjährige Stimmwelten-Tagung öffnet die Abteilung Phoniatrie des Berner Inselspitals im ersten Teil des Nachmittags ihre Türen. In verschiedenen Räumen der Klinik werden Einblicke in folgende Themen gewährt: Anatomie und Physiologie der Stimme, Beurteilung der heiseren Stimme, Stimmfeldmessung, Video-Laryngostroboskopie, Logopädische Stimmtherapie und Einsingen.

Die Verweildauer an den einzelnen Stationen ist frei wählbar, man kann kommen und weitergehen wie man möchte. Im zweiten Teil des Nachmittags geben fünf kurze Referate Einblick in den Weg von einer Stimmstörung zurück zum Singen. Was heisst es, eine Stimmstörung zu haben? Welches sind die Stationen zurück zum Singen? Welches die Herausforderungen? Und was gilt es für die begleitenden ÄrztInnen, LogopädInnen und GesangspädagogInnen zu beachten?
Flyer

Samstag, 21. Mai 2016
14.30 bis 17.00 Uhr „Wörkshophus" an der Musigbörse am Rosenweg 37, 3007 Bern
www.musigboerse.ch
Workshop mit Joy C. Green
MIX- Technik für alle Gesangsgenres
EVTA-Mitglieder haben freien Eintritt
 
Samstag, 15. Oktober 2016
Workshop mit Gerd Türk und David Blunden
Verzierungen in da capo-Arien für die Praxis
13.00 bis 16.00 Uhr Neuer Saal Musik-Akademie Basel
17.00 Apéro

EVTA-Mitglieder haben freien Eintritt
Rückblick

Wer die Neuausgabe von Johan Sundbergs Standardwerk Die Wissenschaft von der Singstimme kennt, erinnert sich an die Fotografie mit den vielen Werkzeugen von Handwerkern auf dem Titelbild. Werkzeuge als Metapher für die Gesangskunst.

Wenn Andreas Schaerer einen Workshop leitet, scheint es, als würde er alle diese Werkzeuge gleichzeitig zum Klingen bringen. Er beherrscht sein Mund-Handwerk derart virtuos und spielerisch, dass er dabei auf jede einzelne Stimme in seiner heterogenen Gruppe eingehen kann, und die Gruppe trotzdem nicht aus seinem unglaublich weiten Blickwinkel verliert.

So geschehen am 27. November 2015 in Biel: Andreas Schaerer brachte unsere sechzehnköpfige Gruppe nicht bloss zum Singen, Sprudeln und Klingen, sondern fand während der drei überaus befrachteten Stunden auch die Zeit, auf individuelle Entwürfe, Themen und Impros vertiefend einzugehen. Wir trainierten vokale Techniken, Erweiterungen, Sprache als wechselndes Musikelement, Stimme als Rhythmuselement, Beatbox, Aufbau und Entwicklung einer eigenen Impovisation u.v.m.
Ein vokalpädagogischer Spagat im Gruppenunterricht, der seinesgleichen sucht !

Leider konnten an diesem Freitagnachmittag einige EVTA-Mitglieder aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Eine Fortsetzung folgt aber, sobald es der Terminkalender des Stimmvirtuosen zulässt. 

Am Abend folgte im Bieler Le Singe das Konzert seiner Gruppe Hildegard lernt fliegen. Eine Performance, die sich mit Worten kaum noch beschreiben lässt: Publikum und Band hoben ab zum gemeinsamen Höhenflug. Hanns-Christian Gerth machte in seinem Text zum Album The fundamental Rhythm of unpolished brains einen Versuch: 

"Die Energie des Sextetts ist auf jeden Fall positiv, in übermütigen wie in nuancierten Passagen. Scharfkantige oder atmosphärische Bläsersätze, cool-lässige Attitüde und Detailschärfe, ausgeklügelte Kontraste und überraschende Assoziationen zeigen die Flexibilität aller Musiker. Wer Hildegard lernt Fliegen jemals bei einem ihrer packenden Konzerte gesehen hat, wird die enorme Bühnenpräsenz der Band kaum vergessen. Nicht von ungefähr tourte sie bereits in Russland und China, begeisterte das verwöhnte Londoner Publikum, spielte bei europäischen Festivals, in Theatern und in Underground-Clubs.

Am meisten verblüfft Andreas Schaerers ungewöhnliche Ausdruckskraft und akrobatische Spannweite. Mal klingt er wie der insistierende Zeremonienmeister eines Zirkus, mal schraubt sich sein Gesang in exaltierte Höhenlagen. Dazwischen streut er irrwitzige Scats, Beatbox-Phrasen und lautmalerische Kapriolen."

Andreas Schaerer und Hildegard lernt fliegen muss man gehört und erlebt haben, buchen Sie möglichst schnell den nächsten Flug!
Alle Fotos in diesem Newsletter stammen Nora Tiedcke und zeigen Momente aus dem Workshop und hier sehen und hören Sie uns bei der Arbeit: 
Videoclip 1
Videoclip 2
Videoclip 3
Videoclip 4

European Voice Teachers Association Schweiz
Doris McVeigh
Morillonstrasse 38
3007 Bern